REF: Religion Ethik Fundamentalismus

»REF: Religion Ethik Fundamentalismus« entsteht

30. Dezember 2008, 07:00Lukas / REF

Als Johannes mal wieder im Hauptbahnhof saß und darauf wartete, dass etwas passiere – er wartet oft vergeblich, deshalb hatte seine Aufmerksamkeit schon nachgelassen – da passierte tatsächlich etwas. Da kam ein junger, freundlich scheinender Mann auf ihn zu und bat um Erlaubnis zu stören, nicht erkennend, dass es bereits zu spät war. Johannes war und ist kein unfreundlicher Mensch und nickte. Der junge Mann, nennen wir ihn Jan, begann zu sprechen:

Haben Sie schon vom Volksbegehren Freie Wahl zwischen Ethik- und Religionsunterricht gehört? Berlin ist neben Brandenburg und Bremen das einzige Bundesland, in dem das Grundrecht auf Religionsunterricht nicht gewährt wird: hier gibt es nur Ethik als Zwangsfach. Die Initiative Pro Reli setzt sich dafür ein, dass man sich zwischen Ethik und Religion entscheiden kann und der staatlichen Bevormundung ein Ende gesetzt wird. Hier können Sie unterschreiben!

Johannes war nicht nur kein unfreundlicher Mensch, er war auch ein Mensch voller Ausgeglichenheit und immer darauf bedacht, das richtige zu tun und keine Entscheidung zu überstürzen. Deshalb hatte er noch nie ein Haustürgeschäft abgeschlossen und natürlich unterschrieb er jetzt nicht. Zumal ihm Jans Worte komisch vorkamen. Es sollte wohl so klingen, als sei Religionsunterricht in Berlin verboten und als hindere der Senat einen daran, sich mit seiner Religion zu beschäftigen. Jan bedankte sich für die Aufmerksamkeit und Johannes wünschte ihm einen schönen Tag. Es war November.

Leider vergaß Johannes nicht, wie so oft sonst, was ihm im Hauptbahnhof passiert war. Plötzlich sah er überall die Plakate und die Unterschriftensammler:

Es geht um die Freiheit!

Keine Bevormundung durch den Staat.

Nicht mal in der U-Bahn wurde er verschont. Das penetrante U-Bahn-Fernsehen Berliner Fenster zeigte immer mehr wütend machende Werbevideos und im Radio liefen Werbespots.

Den freundlichen Johannes störte nicht der religiöse Bezug, dazu war er viel zu tolerant; es störte ihn auch nicht, dass in den Schulen Religion unterrichtet wird und weiter unterrichtet werden soll. Es störte ihn

Pro Relis Lügenpropaganda!

Unterstützt von den beiden großen christlichen Kirchen und einigen anderen Organisationen verbreitet Freie Wahl / Pro Reli wissentlich groben Unfug:

Wird irgendwer in Berlin daran gehindert, seine Religion auszuüben oder den Religionsunterricht zu besuchen?

  • Ja, bis vor zwanzig Jahren war das im Ostteil der Stadt eher schwierig. Zwar stand die Religionsfreiheit in der Verfassung der DDR, aber die Situation der Christen war im Vergleich zu heute ein wenig kompliziert.
  • Ja, denn je nachdem, wer sich gerade äußert, bedeutet »Religionsfreiheit« gerne auch mal »christliche Religionsfreiheit«. »Der deutsche Christ« schaut ungern zu, wenn »der Islamer« sich auch mal eine Kirche bauen will. So war das beim Bau der Moschee in Heinersdorf. Und könnte es sein, dass sich der ein oder andere Pfarrer der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz eher ablehnend geäußert hat? Sind zwanzig Jahre zu lang, als dass man sich erinnern könnte, wie das war, als die eigene Religionsausübung von außen massiv behindert wurde? Ja?!
  • Bloß: der Staat und der Berliner Senat, dem – das sei hier durchaus erwähnt – die REF: Religion Ethik Fundamentalismus freundschaftslos gegenübersteht, hindern niemanden daran. Nein, es ist sogar so, dass der Senat die Personalkosten für die Unterrichtsstunden der verschiedenen Religionen zu 90 Prozent trägt. Pro Reli, auf welchem deiner Plakate steht das?!

Ist die Freiheit bedroht?

  • Ja, das ist sie. Auf der ganzen Welt, ständig. Und natürlich auch in Deutschland.
  • Bloß ist das Wort »Freiheit« für Pro Relis Anliegen ungefähr fünf Nummern zu groß.

Und Johannes?

Der hat sich geärgert über diese perfide Kampagne, die manipulativ mit den Begriffen umgeht. Und weil Johannes nicht nur jeden Mittwoch zwischen zehn und zwei im Hauptbahnhof sitzt und darauf wartet, dass was passiert, sondern in den Stunden dazwischen gelegentlich ein bisschen Zeit hat, traf er sich mit Matthäus, Markus, Lukas und ein paar anderen und es entstand:

REF: Religion Ethik Fundamentalismus

Die REF: Religion Ethik Fundamentalismus

ist eine sich zufällig bildende und auflösende Gruppe im Berlin des frühen 21. Jahrhunderts. Ihr Ziel ist die Überwindung des Winters und schlechten Wetters auf dem Wege der Verhinderung des christlich-fundamentalistischen Volksbegehrens »Freie Wahl / Pro Reli«.

Und genau das wird sie tun. Gehörst du dazu? Dann schau dich auf diesen Seiten um, nutze die Propaganda um dein Umfeld und deinen Kiez von Pro Relis Boshaftigkeit zu überzeugen. Sei ein Teil der Pro-Reli-verhindernden REF: Religion Ethik Fundamentalismus!